Geschäftskonto-Pfändung: Das musst Du jetzt wissen

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Eine Kontopfändung gefährdet die Existenz. Ist es dir als Selbständiger passiert, hilft nur, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir zeigen dir, wie du bei einer Pfändung des Geschäftskontos strategisch vorgehst.

Das passiert bei einer Pfändung des Geschäftskontos

Wenn ein Unternehmer eine Rechnung nicht bezahlt und selbst Mahnbescheid und Gerichtsurteil nichts nutzen, kann der Gläubiger einen Pfändungsbeschluss erwirken. Das bedeutet im schlimmsten Fall, dass dein komplettes Guthaben auf dem Geschäftskonto gepfändet wird. Auszahlungen und Überweisungen sind dann nicht mehr möglich, was die Schwierigkeiten vergrößert, da du anderen Verbindlichkeiten ebenfalls nicht mehr nachkommen kannst.

Hat der Gläubiger einen Pfändungsbeschluss erwirkt, geht dieser direkt an die Bank des Schuldners. Das gepfändete Guthaben auf dem Geschäftskonto wird spätestens nach 14 Tagen dem Gläubiger überwiesen.

Was kann ich tun, wenn mein Firmenkonto gepfändet wurde?

Grundsätzlich ist es am besten, es gar nicht erst zur Pfändung kommen zu lassen. Mahnbescheide sollten daher nicht auf die lange Bank geschoben werden, denn oft lässt sich mit einem Gläubiger eine Ratenzahlung vereinbaren.

Ist das Kind jedoch in den Brunnen gefallen, hast du die Möglichkeit, das Businesskonto bis zu einem gewissen Grundfreibetrag schützen zu lassen.

Der Gesetzgeber erlaubt Selbständigen und Privatpersonen gemäß § 850K ZPO das Firmenkonto in ein sogenanntes Pfändungsschutzkonto (P-Konto) umzuwandeln.

Das heißt, das Guthaben ist bis zu dem Grundfreibetrag von aktuell 1.073,88 Euro geschützt. Dieser die Existenz sichernde Grundfreibetrag wird auch dann nicht angetastet, wenn das Finanzamt zugreifen will.

Geschäftskonto trotz Pfändung eröffnen – ist das möglich?

Der Kontowechsel ist eine beliebte Taktik bei Pfändung. Hast du es vorher nicht geschafft, ein P-Konto zu eröffnen, hast du immer noch die Möglichkeit dazu und kannst Zahlungseingänge entsprechend umleiten.

Es ist wichtig, das neue Firmenkonto nicht bei einer Bank zu eröffnen, die mit der alten Bank vernetzt ist. Ist zum Beispiel das Geschäftskonto bei der Commerzbank gepfändet und es wird ein neues Konto bei der Comdirekt eröffnet, kann es sein, dass die Commerzbank sich die Forderungen von ihrem Tochterunternehmen via Verrechnung holt.

Selbst wenn die Geschäfte rosig laufen, ist es nicht verkehrt, bei deiner Bank die Umwandlung des geschäftlichen Girokontos ein ein P-Konto zu beantragen.

Wichtig ist, dass es sich um ein Geschäftskonto ohne Schufa handelt, da durch die Pfändung ein Eintrag vorliegt. Nach unserer Recherche ist es möglich, bei folgenden Anbietern ein Geschäftskonto als P-Konto ohne Bonitätsabfrage zu eröffnen:

AnbieterGebührenBesonderheitenMehr Infos
Onlinekonto.de Logo
Onlinekonto.de
+ Einrichtungs- und Aktivierungsgebühr (einmalig): 139 Euro
+ Grundgebühren (mtl.): 9,90 Euro
+ Buchungskosten: 50 Cent
Das Onlinekonto des Anbieters PayCenter kann sofort nach dem Registrierungsprozess in ein P-Konto umgewandelt werden. Neben Einrichtungs- und Aktivierungsgebühr von 139 Euro werden pro Monat 9,90 Euro an Kontoführungsgebühren fällig. Eine Bargeldverfügung pro Monat ist in diesen Gebühren enthalten, pro Buchung fallen 50 Cent an. Dafür gibt es jedoch unbürokratisch das Gefühl einer gewissen Sicherheit.
Global Konto Logo
Global Konto
+ Jahresgebühr (privat): 68 Euro
+ Jahresgebühr (Business): 98 Euro
+ Einrichtungsentgelt (einmalig): 98 Euro
+ Kontofunktionalität (mtl., optional): 5 Euro
+ Buchungskosten: 60 Cent
Ein Konto für geschäftliche Zwecke ohne Schufa wird auch mit dem Global Konto möglich. Dieses Business-Girokonto ist mit Sicherheit nicht die günstigste Variante, aber ebenfalls unkompliziert als P-Konto einzurichten.
MeineGiroKarte+ Aktivierungsgebühr (einmalig): 39 Euro
+ Gebühr für Mastercard (mtl.): 6,50 Euro
+ Kontofunktionalität (mtl., optional): 5 Euro
+ Einrichtung eines Firmenkontos (einmalig, optional): 98 Euro
+ Buchungskosten: 60 Cent
Das Guthabenkonto MeineGiroKarte wird ohne Schufa-Prüfung eröffnet und kann als P-Konto geführt werden. Bei Pfändung erledigt der Anbieter diese Umwandlung auf Antrag im Online-Center binnen von 4 Tagen. Zu den Aktivierungsgebühren, die mit Kartenversand 45,50 Euro betragen, kommen monatliche Mstercard-Gebühren von 6,50 Euro sowie die Kontofunktionalität von 5 Euro (optional).

Wer kann ein P-Konto einrichten lassen?

Um ein Pfändungsschutzkonto einzurichten, musst du eine natürliche Person sein. Keine Probleme gibt es als Einzelunternehmer oder Freiberufler. Als GmbH oder UG bist du hingegen eine juristische Person und kannst dein Business Konto nicht in ein P-Konto umwandeln oder eines eröffnen.

Achte darauf, dass jeder nur ein P-Konto haben darf. Das ist entweder dein Geschäftskonto oder dein Privatkonto. Gläubiger versuchen meist, ihre Forderungen auf beiden Konten einzutreiben. Überlege daher gut, welches Bankkonto das pfändungssicheres Konto werden soll.

Trick: Da du als Freiberufler oder Einzelunternehmer nicht zur Führung eines Firmengirokontos verpflichtet bist, kannst du versuchen, beide Konten zusammenzuführen. Das ermöglicht dir, umfassend von einem P-Konto zu profitieren, bringt aber auf der anderen Seite Mehrarbeit durch die Trennung beruflicher und privater Ausgaben mit sich.

Wie viel darf gepfändet werden?

Gepfändet werden kann bei einem P-Konto nur der Betrag, der höher ist als der Pfändungsfreibetrag. So ist gewährleistet, dass Posten wie Miete und Versicherungen gezahlt werden können. Befinden sich auf deinem Geschäftsgirokonto 2.000 Euro, kann der Gläubiger davon nur 996,12 Euro einziehen.

Wie lange dauert die Kontopfändung?

Die exakte Dauer einer Kontopfändung richtet sich nach dem Einzelfall. Grundsätzlich dauert sie so lange, bis die Schuld beglichen ist. Das kann mit einem Mal erledigt sein, sich aber auch über Jahre hinziehen, wenn nie genug Guthaben auf dem Geschäftskonto steht.

Wie du den Pfändungsfreibetrag erhöhen kannst

Bei Unterhaltsverpflichtungen hebt sich der Grundfreibetrag an. Gemäß § 850f und 850i ZPO darf eine Kontopfändung nicht bedeuten, dass du deine Geschäftstätigkeit aufgeben musst. Gehälter von Mitarbeitern, Steuern, Miete für Geschäftsräume stellen betriebsnotwendige und wiederkehrende Kosten dar. Der Gläubiger erhält erst dann sein Geld, wenn diese Kosten beglichen sind.

Soll die Pfändung erfolgen, muss beim zuständigen Vollstreckungsgericht ein Antrag auf Anhebung der Pfändungsfreigrenze gestellt werden.

Zusammenfassung

Sind die Forderungen der Gläubiger berechtigt, ist es mit einem neuen P-Konto alleine nicht getan. Immerhin ist damit so eine Art Atempause und die Sicherung der notwendigen Kosten gewährleistet. Denn die Pfändungen setzen auf jeden Fall wieder ein.

Um nicht auf ewig in der Schuldenfalle zu sitzen, kann eine Beratung helfen sowie ein außergerichtlicher Schuldenvergleich, der es dir ermöglicht, in einer absehbaren Zeit wieder schuldenfrei zu werden.

Geschäftskonto-Pfändung: Das musst Du jetzt wissen
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